Wie Hogrefe monatliche Releases und schrittweise Modernisierung verbindet

Das Ergebnis in Kürze
Hogrefe hat die Weiterentwicklung seiner Plattform für psychologische Testverfahren auf einen monatlichen Release-Takt ausgerichtet und sich für eine schrittweise Modernisierung im Bestand entschieden. Das Team erarbeitete dafür gemeinsame Architekturgrundlagen, baute die Sichtbarkeit im Betrieb aus und vereinheitlichte die lokale Entwicklungsumgebung. Marcus Held begleitete diese Arbeit von Juni 2023 bis Juli 2026 als externer Softwarearchitekt – von der Analyse über die Umsetzung bis zur strategischen Beratung.
Eine digitale Plattform mit fachlicher Verantwortung
Hogrefe ist ein Fachverlag für Psychologie mit Sitz in Göttingen. Mehr als 700 psychologische Testverfahren sind über die digitale Plattform verfügbar, von klinischen Diagnostikinstrumenten bis zu Eignungsverfahren. Das Hogrefe Testsystem (HTS) ist damit eine geschäftskritische Grundlage für die digitalen Angebote des Verlags.
Die Plattform ist über mehr als zwei Jahrzehnte gewachsen. Ihre Weiterentwicklung verbindet fachliche und technische Anforderungen: Änderungen müssen fachlich korrekt und regulatorisch vertretbar sein, während das Team sie regelmäßig ausliefern und im Betrieb nachvollziehen können muss. Die Aufgabe war, diese Arbeit zu erleichtern und zugleich einen tragfähigen Weg für die Modernisierung zu entwickeln.
Ein gemeinsamer Auftrag
Mit dem Einstieg von Jay Allan Jethwa als Head of Engineering Anfang 2023 gehörte die Modernisierung der Softwareentwicklung zu den zentralen Aufgaben. Hogrefe gab ihm dafür Handlungsspielraum, investierte in Teamkapazität und ergänzte das Team gezielt durch externe Spezialisten. Auch technische Grundlagenarbeit bekam Zeit, bevor sie als sichtbarer Produktfortschritt bei Kunden ankam.
Marcus Held unterstützte das Team direkt in den täglichen Abstimmungen, im Code, in der Dokumentation und bei der Anforderungserhebung. Er brachte technische Analyse, Struktur und eine externe Perspektive ein und arbeitete an der Umsetzung mit. Die Zusammenarbeit baute auf dem Wissen des Teams über die Plattform auf. Hogrefe unterstützte diesen Weg mit gezielten Investitionen und richtete Organisation und Modernisierungsstrategie auf die nächsten Entwicklungsschritte aus.
Was das Team gemeinsam erarbeitet hat
Systemwissen als gemeinsame Arbeitsgrundlage
In seiner ersten Woche führte Marcus Held Interviews mit dem gesamten Team. Daraus entstand der Grundstock einer arc42-basierten Dokumentation, die Architektur, Infrastruktur und Deployment der Plattform über Teamgrenzen hinweg beschreibt. Sie bündelt das vorhandene Wissen und macht Zusammenhänge für die tägliche Arbeit zugänglich.
Das Team führte die Dokumentation kontinuierlich weiter und nutzte sie für Architekturentscheidungen und Architecture Decision Records. Sie wurde auch zur Grundlage eines strukturierten Onboardings: Neue Entwickler konnten die relevanten Plattformbereiche innerhalb einer Woche durcharbeiten und anschließend produktiv mitarbeiten.
Regelmäßig ausliefern und den Betrieb im Blick behalten
Ein Schwerpunkt der ersten Monate lag auf dem Abschluss technischer Umbauten am Datenbankzugriff und an der Transaktionssicherheit. Marcus Held arbeitete konzeptionelle Fragen mit dem Team auf und übernahm Teile der Implementierung. Parallel vereinfachten und automatisierten die Beteiligten den Deployment-Prozess. Ende 2023 brachte das Team einen größeren Release der Plattform in Produktion.
Darauf folgte die weitere Arbeit am Auslieferungsprozess: Welche Schritte sind nötig, welche lassen sich vereinfachen oder automatisieren? Über den Verlauf der Zusammenarbeit etablierte Hogrefe monatliche Releases. Änderungen erreichen Kunden damit in einem regelmäßigen Takt.
Mit Datadog und OpenTelemetry führte Hogrefe Telemetrie, Logs und Alerting zusammen. Das unterstützt die frühzeitige Erkennung und Analyse von Problemen. Eine auf Docker umgestellte lokale Entwicklungsumgebung bildet zudem die Produktionsumgebung näher ab. Entwickler können Integrationsprobleme dadurch bereits lokal nachvollziehen.
Modernisierung an Domänen und Anforderungen ausrichten
2025 beauftragte Hogrefe Marcus Held mit der Bewertung der Modernisierungsstrategie. Die Analyse bezog sowohl die bestehende Plattform als auch Erkenntnisse aus einer parallelen Neuentwicklung ein. Auf dieser Grundlage entschied sich Hogrefe für eine schrittweise Modernisierung des Bestandssystems.
Der gewählte Strangler-Fig-Ansatz verbindet neue Frontends mit bestehenden Schnittstellen und ermöglicht die Modernisierung einzelner fachlicher Bereiche. So muss nicht erst eine vollständige neue Plattform fertig sein, bevor das Team neue Funktionen mit Nutzern erproben kann.
Für die weitere Planung erfassten Marcus Held und die Product Owner in Interviews mit Stakeholdern aus verschiedenen Bereichen und Tochtergesellschaften mehr als 1.000 Anforderungen. Diese gemeinsame Grundlage macht fachliche Bedürfnisse für die Planung zugänglich. Ende 2025 stellte Hogrefe die Abteilung auf Domänenteams um und verankerte den fachlichen Zuschnitt auch in der Organisation.
Ergebnisse auf einen Blick
| Bereich | Gemeinsam erreicht | Nutzen |
|---|---|---|
| Auslieferung | Monatliche Releases | Änderungen erreichen Kunden regelmäßig |
| Betrieb | Datadog und OpenTelemetry mit Metriken, Logs, Tracing und Alerting | Probleme früher erkennen und gezielt analysieren |
| Entwicklungsumgebung | Produktionsnahes Docker-Setup | Integrationsprobleme lokal nachvollziehen |
| Systemwissen | Kontinuierlich gepflegte arc42-Dokumentation | Gemeinsame Grundlage für Architekturentscheidungen und eine strukturierte Onboarding-Woche |
| Modernisierung | Schrittweiser Ansatz und Domänenteams | Fachliche Bereiche einzeln weiterentwickeln und mit Nutzern erproben |
| Anforderungen | Mehr als 1.000 strukturiert erfasste Anforderungen | Bereichsübergreifende Grundlage für die weitere Planung |
Für wen diese Erfahrung relevant ist
Die Zusammenarbeit zeigt einen Weg für Unternehmen, die eine gewachsene, geschäftskritische Plattform weiterentwickeln wollen:
- Regelmäßige Auslieferung und fachliche Qualität gemeinsam absichern.
- Modernisierung in überschaubaren Schritten mit dem bestehenden Produkt verbinden.
- Architekturwissen und Anforderungen für die Arbeit über Teamgrenzen hinweg nutzbar machen.
- Externe Erfahrung gezielt ergänzen und Empfehlungen gemeinsam mit dem Team umsetzen.
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