Einstieg: Kunden gewinnen ohne Recruiter und Portale
Thomas: Freelancer gibt es da draußen sehr viele. Wirklich erfolgreiche, die ohne Recruiter und Portale an Aufträge kommen, leider nicht so viele. Aber einen habe ich heute hier. Marcus, schön, dass du da bist.
Marcus: Ich freue mich, da zu sein.
Thomas: Kommen wir direkt zum Thema: Wie gewinnst du deine Kunden? Und wie schaffst du es, auf Portale und Recruiter zu verzichten?
Marcus: Ich hole ein bisschen aus, weil das keine Selbstverständlichkeit ist. Als ich vor drei Jahren mit der Selbstständigkeit gestartet bin, habe ich mir fest vorgenommen, mich unabhängig vom Recruiter-Markt zu machen. Der war mir schon bekannt, und was mir daran nicht gefällt: Der Recruiter-Markt hat sehr viele Parallelen zum Arbeitnehmermarkt.
Wenn man sich das objektiv anschaut, sind die Projektausschreibungen sehr ähnlich zu Stellenausschreibungen — meistens nur nicht so hübsch präsentiert. Und der Bewerbungsprozess dahinter ist ebenfalls sehr ähnlich. Genau daraus wollte ich ausbrechen.
Die Entscheidung dazu habe ich Ende 2022 getroffen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Kunden. Anfang 2023 habe ich gekündigt und losgelegt, mich selbst zu vermarkten.
Wie das am Anfang so ist: Man weiß nicht, was man tut. Ich habe einen Entwickler-Background, auch wenn ich direkt aus einer Managementrolle kam. Intuitiv versucht man dann erstmal, sich über technische Themen gut darzustellen und darüber in Projekte reinzukommen. Ich habe die typischen Fehler gemacht und einen Bauchladen angeboten. Mein erster Webauftritt ist mir heute ein bisschen peinlich. Sinngemäß stand dort: „Ich bin der Beste, ich kann alles, buch mich.“ Aber das funktioniert eben nicht.
Relativ schnell habe ich aus der Marktresonanz gelernt, dass man sich positionieren muss. Man muss eine Nische bedienen, die man klar benennen kann. Aber diese Nische ist eben nicht Java-Entwicklung. Sie ist auch nicht Softwarearchitektur. Eine Nische ist ein Problem, das der Kunde hat — und du hast dafür eine Lösung.
Man muss seine Denkweise verändern: Aus dem Problem heraus schnürt man ein Angebot. Man bewirbt nicht das Produkt oder die Dienstleistung, sondern die Problemlösung. Diesen Mindset-Shift musste ich erst hinbekommen.
Das hat sich natürlich entwickelt. Ich hatte diesen Bauchladen, bin auf Netzwerkveranstaltungen in der Umgebung gegangen und habe dort Gespräche geführt. Dabei habe ich schnell erkannt: Die beste Sales-Strategie ist, den anderen reden zu lassen und zuzuhören. Aktives Zuhören.
Daraus schnürt man ein Angebot. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, erkennt man Muster. Dann kann man das Angebot verallgemeinern und bewerben. Aber die Reihenfolge ist wichtig: Erst verstehen, welche Probleme die Wunschkunden wirklich haben. Erst danach kann man ein Angebot formulieren.
Das ist eine Lernschleife. Wenn man selbstständig startet, sollte man nicht den Anspruch haben, diese Schleife überspringen zu können. Das ist in Ordnung — aber man muss sich dessen bewusst sein.
Von Performance zur Gesamtbetrachtung
Thomas: Was war deine erste Positionierung? Viele kennen die Theorie mit Painpoints. Aber was war das konkret bei dir? Welchen Pain hast du gefunden? Bei wem?
Marcus: Nachdem ich erkannt hatte, dass der Bauchladen nicht funktioniert, habe ich überlegt: Was kann ich gut, und was ist am Markt nicht so stark vertreten?
Ich habe eine Historie aus der Gaming-Industrie, und dort ist Performance ein großes Thema. Ich habe an Online-Games gearbeitet. Da hat man viel Last auf den Systemen und eine andere Interaktion als bei klassischen Webseiten. Man hat nicht nur viele User, sondern viele User, die sehr viele Interaktionen ausführen. Aus dieser Historie heraus musste ich mich stark mit Performance beschäftigen, speziell auf der JVM.
Also dachte ich: Ich brauche eine Positionierung. Performance auf der JVM — das ist doch eine Nische. Auf dem Markt kannte ich niemanden, der das so angeboten hat. Das klingt erstmal gut.
Ich habe auf meiner Website einen Performance-Workshop als Einstiegsangebot beschrieben und bin damit auf Netzwerkveranstaltungen gegangen. Was sich dann herausgestellt hat: Wenn niemand etwas anbietet, heißt das nicht automatisch, dass man eine geniale Nische gefunden hat. Es kann auch heißen, dass es kein verkaufbares Produkt ist.
Genau das war der Fall. Die Leute hatten zwar Performance-Probleme, und ich kam darüber in Gespräche. Aber Performance war nur ein Symptom von vielen.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Startup aus Duisburg. Die bauten eine Supply-Chain-Software, um Produktion in Asien und Verschiffung nach Deutschland zu managen. Die Anwendung war schon bei wenigen Nutzern sehr langsam. Aber das war nicht das einzige Symptom. Sie hatten lange Entwicklungszeiten, Features wurden nicht zeitgemäß umgesetzt, es gab viele Bugs, und Anforderungen vom Produkt wurden häufig iteriert, weil Entwicklung und Produkt aneinander vorbeiredeten.
Da kam ein ganzer Haufen zusammen. In dem Gespräch wurde klar: Sie brauchen keine isolierte Lösung für Performance-Probleme. Sie brauchen eine übergreifende Betrachtung der Software.
Wir starteten das Gespräch über einen Performance-Workshop. Verkauft habe ich dann einen Architektur-Workshop, den ich nicht vorbereitet hatte, den ich nicht beworben hatte, den ich noch nie gehalten hatte und bei dem ich noch nicht genau wusste, was ich mache. Ich habe ihn durchgeführt, es gab ein gutes Ergebnis, und danach habe ich den Kunden weiter betreut.
Beim nächsten Lead passierte dasselbe wieder: Einstieg über Performance, aber eigentlich brauchte der Kunde eine Gesamtbetrachtung.
Thomas: Spannend. Der offensichtliche Painpoint, mit dem du den Kunden bekommst, und das, was du am Ende verkaufst, können also zwei unterschiedliche Dinge sein. Mit welchem Angebot gehst du heute rein? Immer noch Performance?
Marcus: Nein, heute nicht mehr. Heute habe ich gelernt, dass es Bedarf daran gibt, Software im Gesamten zu betrachten.
Mein Wunschkunde hat — salopp gesagt — die Kacke am Dampfen. Es muss ein echter Schmerz vorhanden sein, idealerweise mit einem Leidensweg, der schon ein paar Jahre geht. Wenn ich diesen Kunden finde, biete ich dafür eine Lösung an: Wir machen zuerst eine Gesamtbetrachtung der Software.
Dabei schauen wir nicht nur auf Technik. Wir müssen auch Prozesse in der Softwareentwicklung betrachten, die Kompetenzen des Teams, die Einbettung des Teams in den Unternehmenskontext, die Führungsschiene und die Kommunikation von oben nach unten. Das hängt alles zusammen und lässt sich nicht isoliert betrachten.
Üblicherweise startet das mit einem Workshop. Daraus entsteht ein Bericht, der auch unabhängig von mir Wert liefert und den der Kunde weiterverarbeiten kann. In vielen Fällen geht der Kunde danach mit mir in die Umsetzung, weil es sich anbietet, die notwendigen Schritte gemeinsam zu gehen.
Warum persönliche Gespräche entscheidend sind
Thomas: Das ist auch ein niedrigschwelliges Offer. Du hast den Fuß in der Tür, man lernt sich kennen. Wenn du Kunden suchst, bei denen die Kacke am Dampfen ist: Wie findest du das heraus? Wie sieht dein ICP aus? Wie bekommst du die Pipeline voll?
Marcus: Das funktioniert nur im persönlichen Gespräch. Menschen kaufen von Menschen. Was für mich nicht funktioniert, ist eine Pipeline über E-Mail-Marketing oder rein über LinkedIn. Auch wenn ich auf LinkedIn aktiv bin: Über LinkedIn selbst verkaufe ich nichts. Ich verkaufe nicht über E-Mails und nicht über Ads. Das habe ich probiert.
Dafür ist das Produkt zu komplex, und es braucht Vertrauen. Ich verkaufe am besten über mein Netzwerk oder über Netzwerkveranstaltungen, bei denen echte Gespräche entstehen.
Thomas: Welche Netzwerkveranstaltungen würdest du empfehlen? BNI, EO, Meetups, eher techlastig oder PO-lastig?
Marcus: Ich schaue meistens auf meetup.com, was in der Gegend stattfindet. Entwicklerzentrierte Veranstaltungen besuche ich gelegentlich, aber ich erinnere mich nicht, darüber einen echten Lead gewonnen zu haben. Dort entstehen eher interessante Kontakte fürs Netzwerk.
Gut funktionieren Product-Owner-Veranstaltungen. Dort trifft man Menschen, die den Frust erleben, wenn Softwareentwicklung hakt. Da kann ein Champion im Unternehmen entstehen, der dafür sorgt, dass man reinkommt.
Außerdem schaue ich nach branchenspezifischen Veranstaltungen. Die beste Veranstaltung, auf der ich war, war 2023 eine CTO-Veranstaltung. Da waren nur CTOs. Ich bin über einen Kontakt reingekommen, sonst hätte ich sie nicht gefunden und keinen Zugang gehabt. Das war Gold wert. Aus einem Abend sind zwei Beauftragungen entstanden, die am Ende auch umgesetzt wurden.
Warum CTOs externe operative Unterstützung brauchen
Thomas: Ich hatte bei CTOs immer die Erfahrung: Das sind Techies, die wissen, was sie machen. Die haben ihr Team und ihr Netzwerk. Wie hast du es geschafft, daraus Leads zu machen? Was konntest du anbieten?
Marcus: Ich glaube, das ist ein Trugschluss. CTOs haben einen technischen Background und wissen in der Regel, wie es gemacht werden sollte. Sie kennen die Probleme und können sie benennen.
Aber sie haben ein Problem in der Hierarchie. Sie hängen zu weit oben. Sie können strategische Entscheidungen treffen, aber sie können sie nicht selbstständig operativ umsetzen. Dafür brauchen sie vertraute Personen darunter, die die Kompetenz mitbringen, es in die Umsetzung zu bringen.
Auch dort schwingt die Hierarchie mit. Jemand, der unterhalb des CTOs in der Umsetzung ist, hat immer noch Peers, mit denen er seit Jahren zusammenarbeitet. Der kann gewisse Entscheidungen nicht so durchdrücken, wie es für die Lage vielleicht notwendig wäre.
Den CTOs ist das bewusst. Diejenigen, mit denen ich zu tun habe, waren dafür empfänglich zu sagen: Wir brauchen jemanden von außen, der reingeht und Gewohnheiten durchbricht.
Das heißt nicht, dass man großen Stress erzeugt oder unfair agiert. Darum geht es nicht. Es geht darum, Gewohnheiten zu durchbrechen. Genau dabei kann ein Externer helfen.
Thomas: Das ist auch meine Erfahrung: Als Externer wird man fast zum Sprachrohr der Internen. Nicht im Sinne von „Thomas hat geile Einfälle“, sondern: „Ich wiederhole nur das, was mir dein Team sagt.“ Dadurch funktioniert die Disruption.
Marcus: Es gibt noch einen zweiten Faktor. Viele Entscheidungen müssen nach oben vertreten werden. Es ist menschlich, dass eine externe Analyse und externe Handlungsempfehlungen im Management oder in der Geschäftsführung stärker gewichtet werden. Diese politische Spielerei ist CTOs bewusst. Auch deshalb kann so etwas hilfreich sein.
Erfahrungen aus der Gaming-Branche
Thomas: Du hattest Gaming erwähnt. Ich kenne viele Klischees: Überstunden, schlechte Bezahlung, Crunch, alles muss Triple-A sein. Was sind Anekdoten aus deiner Gaming-Erfahrung?
Marcus: Diese Anekdoten kommen nicht von irgendwoher. Da ist schon etwas dran. Ich habe sieben Jahre in der Gaming-Branche gearbeitet. Dabei muss man sagen: Bei mir waren es Mobile Games und anfangs Browser Games. In Deutschland haben wir nicht so viele Triple-A-Studios. Was wir aber aufgebaut haben, ist die Free-to-play-Branche.
Dort unterscheiden sich die Firmen stark in ihrer Kultur. Ich habe bei einer Firma gearbeitet, bei der es so war, wie du beschrieben hast: hoher Leistungsdruck, schlechte Bezahlung. Ich bin damals mit 36.000 Euro Gehalt eingestiegen. Das war auch damals wenig. Gleichzeitig gab es denselben Druck, den man vielleicht auch bei einem VW-Konzern als Entwickler gehabt hätte. Wenn Release anstand, war es normal, am Wochenende oder spät abends zu arbeiten.
Auf der anderen Seite habe ich das total genossen. In der Gaming-Branche gibt es einen gewissen Schlag Mensch. Viele wissen, worauf sie sich einlassen. Gleichzeitig gibt es viele Bewerber, die dort rein wollen. Firmen können stark selektieren. Rückblickend war das allgemeine Kompetenzniveau sehr hoch, und ich habe unglaublich viel gelernt.
Es passieren dort aber verrückte Dinge. Eine Geschichte wurde mir erzählt: Eine Firma hatte ein Browsergame zu Battlestar Galactica. Sie wollte verhindern, dass Spieler mehrere Accounts nutzen. In den AGB stand schon immer, dass man nur einen Account haben darf, aber es wurde lange nicht durchgesetzt.
Irgendwann wollte man aus Fairness-Gründen Multiaccounts sperren. Also wurde über IP-Adressen gematcht und der Banhammer geschwungen.
Einen Tag nach dem Rollout stand plötzlich ein saudischer Scheich an der Rezeption, hatte einen dicken Ordner dabei und sagte: „Der Account meiner Tochter wurde gesperrt, ich möchte den Geschäftsführer sprechen.“
Dann wurde intern telefoniert, und es stellte sich heraus, dass über diesen Account mehrere Millionen Euro umgesetzt worden waren. Also wurde der Geschäftsführer geholt, der Account wurde entsperrt, und der Fall wurde persönlich geklärt. Das zeigt, welche absurden Dimensionen diese Branche annehmen kann.
Thomas: Ich kenne ähnliche Geschichten: sehr ungleiche Verteilung, ein kleiner Teil der Spieler macht einen großen Teil des Umsatzes.
Marcus: Das habe ich auch erlebt. Ich habe einige Zeit an Goodgame Empire mitgearbeitet. Das Spiel hatte damals 220 Millionen registrierte User. In der Spitze hatten wir 100.000 bis 200.000 Concurrent User auf dem System, bei Peaks ging es Richtung 300.000.
Zwischen ein und zwei Prozent der User haben überhaupt jemals Geld ausgegeben. Von diesen zahlenden Usern gab es wiederum einen sehr kleinen Anteil, der so viel Geld ausgegeben hat, dass er die gesamte Entwicklung finanziert hat.
Ich erinnere mich an ein System namens Private Offer System. Das war ein gezieltes Marketingsystem. Anhand verschiedener Parameter — zum Beispiel ob jemand gerade angegriffen wurde oder wie viel Geld er bereits ausgegeben hatte — konnte man gezielt Angebote machen.
Wir wollten einmal herausfinden, wo das Limit liegt. Es wurde ein Item-Set hergestellt, bestehend aus mehreren Items. Technisch waren das Bilder und ein paar Werte, die ein Balancer eingetragen hat. Ich habe es im System eingepflegt. Mit allen Beteiligten war das vielleicht ein Tag Arbeit.
Jedes einzelne Item wurde für 500 Euro verkauft, das Gesamtpaket also für 3.000 Euro. Ich habe das freitags live geschaltet. Montags fragte ich nach, wie oft es verkauft wurde. Es wurde übers Wochenende 63-mal vollständig verkauft. Offensichtlich war das nicht die Grenze.
Das zeigt: Das eigene Verständnis davon, was teuer ist und welchen Wert etwas hat, muss nicht mit dem Wertverständnis des Gegenübers übereinstimmen.
Das kann man auf die eigene Arbeit übertragen. Man sollte sich nicht fragen: „Finde ich meinen Workshop für 6.000 Euro am Tag teuer?“ Die Antwort wäre wahrscheinlich ja. Man muss fragen: Ist der Wert, den ich schaffe, für mein Gegenüber und dessen Kontext gerechtfertigt? Mit welchen Summen hat der Kunde zu tun?
Wie man Keynote-Speaker wird
Thomas: Du bist nebenher auch Keynote-Speaker auf größeren Events. Für viele Freelancer ist es schon ein Ziel, Speaker zu sein. Wie wird man Keynote-Speaker? Wie hat sich das bei dir entwickelt?
Marcus: Das war kompletter Zufall. Ich habe nie darauf hingearbeitet, Keynotes zu sprechen. Was ich seit vielen Jahren mache: Ich bin auf Konferenzen präsent. Das habe ich schon vor der Selbstständigkeit gemacht und danach fortgeführt.
Meine Motivation ist, dass ich als junger Entwickler selbst stark von Konferenzen profitiert habe. Das Wissen, das mir dort vermittelt wurde, hat mich geprägt. Ich möchte etwas davon zurückgeben. Weil ich das seit vielen Jahren mache, kamen die Gelegenheiten irgendwann.
Bei der RabbitMQ Summit habe ich eine Keynote gegeben. Die Organisatoren kamen auf mich zu. Sie hatten die Summit zum ersten Mal in Deutschland veranstaltet; vorher war sie in London. Hier hatten sie noch kein Netzwerk und suchten einen deutschsprachigen Speaker für die Keynote. Sie fanden mich über LinkedIn und sahen, dass ich routiniert bin. So kam das zustande.
Thomas: Wenn jemand Keynote-Speaker werden möchte: Welchen Rat würdest du geben?
Marcus: Das Offensichtliche zuerst: Man muss Routine bekommen. Bevor man versucht, eine Keynote zu halten oder sich darauf zu bewerben, sollte man generell Vortragserfahrung sammeln. Also Vorträge auf mehreren Konferenzen einreichen und in die Routine kommen.
Zweitens: Keynotes brauchen andere Präsentationen als klassische Fachvorträge. Keynotes sollen inspirieren und einen Vibe für die Konferenz setzen. Sie sind nicht primär Wissensvermittlung. Es geht nicht darum, sich technisch darzustellen oder eine technische Lösung zu zeigen. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen, Lehren daraus zu ziehen und Gedanken anzustoßen.
Bei meiner Keynote auf der RabbitMQ Summit habe ich über Performance gesprochen. Der Talk war an die Geschichte von Quizduell angelehnt.
Quizduell ist eine App, bei der man gegen Freunde quizzen kann. Später gab es eine ARD-Sendung mit demselben Konzept: Zuschauer konnten über die App live mitspielen. Ich habe zufällig in der Firma gearbeitet, die diese App entwickelt hatte — nicht zu dem Zeitpunkt der Sendung, aber im Umfeld.
Technisch war das ein Worst-Case-Szenario: Eine App, die sonst kaum genutzt wird, bekommt plötzlich hunderttausende User gleichzeitig. Diese User interagieren alle in einem sehr kurzen Zeitfenster, weil man nur wenige Sekunden hat, um eine Antwort abzugeben.
Bei der ersten Live-Sendung versagte die Technik vollständig. Im Studio gab es keinen guten Backup-Plan. Jörg Pilawa musste eine Stunde lang überspielen, dass das Sendungskonzept technisch nicht funktionierte.
Für die Keynote habe ich alte Aufzeichnungen gefunden, zusammengeschnitten und dieses Desaster in mehreren Akten entfalten lassen. Das war ein guter Aufhänger: Es macht Spaß, die Story zu erleben, und gleichzeitig kann man viele Lehren daraus ziehen — vor allem, welche Verantwortung wir als Entwickler haben und welche Auswirkungen unsere Software auf Menschen haben kann.
Thomas: Also: Für Keynotes bewerben, einen anderen Vibe setzen, gute Story haben. Marcus, du bist mein persönlicher Held. Schön, dass du da warst. Bis zur nächsten Episode.